Ich sah, ich las, ich hörte

Bloggen zu Hygiene-Zwecken – #mein1Blogpost

Vor neun Jahren las ich das Blog eines Linguistik-Dozenten und fand diese neue Art zu schreiben reizvoll. Es war etwas anderes, als für die Lokalzeitung zu schreiben oder Tagebuch zu führen.

Auch fand ich es reizvoll, das Blog nicht alleine, sondern mit Nando zu führen. Vielleicht zeigte sich schon damals, dass wir uns als Unternehmerpaar gut ergänzen. Schreiben hat für mich eine reinigende Wirkung. Als Teenager schrieb ich mir meinen Kummer von der Seele, ich schrieb frisch verliebt Tausende von Mails und Nachrichten, übte mich auch im Gedichteschreiben.

Ich weiss nicht mehr genau, wie wir auf online-hygiene.ch kamen – der Name hatte aber wohl mit dieser Wirkung des Schreibens zu tun. Als bloggendes Paar kam aber natürlich auch ein anderer Aspekt hinzu, nämlich die Paarhygiene. Unser Blog war eine Möglichkeit, wie wir online einen Dialog führen konnten.

Hach, ich war ja damals noch so jung, als ich euphorisch Hunderte von Blogposts verfasste, mich über Kommentare freute und ärgerte. Irgendwann liess das Interesse nach, so dass ich heute nur noch hier in diesem persönlichen Blog blogge oder ab und zu für unser Unternehmensblog sowie für Kundinnen und Kunden schreibe.

Danke trotzdem, liebe Justyna, für diesen Ansporn, ein wenig in der Vergangenheit zu wühlen und den Link zu meinem allerersten Blogpost hervorzukramen. :)

PS: Ich kann mich leider gar nicht mehr ans Gesicht des „Schletzers“ erinnern. Aus heutiger Sicht fände ich das aber vermutlich gar keine müde Zeile mehr wert.

Die Liebe und ihr Partner

Ein intensives Jahr geht zu Ende

Ich mache nie einen Jahresrückblick im Dezember, es reicht, wenn andere das machen. Doch selten habe ich ein Jahr so intensiv erlebt wie dieses bald endende.

In den Monaten Januar bis Juli verging kaum eine Woche, in der ich nicht irgendeine Praxis von Innen sah. Die Katzen mussten notfallmässig zum Tierarzt. Meine Mutter brauchte mich als Fahrdienst und Übersetzerin. Unsere Tochter war im Frühjahr so krank wie sonst nie. Mein Mann hatte gesundheitliche Probleme. Ich selbst verletzte mich in den Skiferien. Es war, als hätten alle Unfälle und Krankheiten nur darauf gewartet, dass ich endlich Auto fahren durfte/konnte.

Auch beruflich war ich viel unterwegs. Die gesundheitlichen Probleme meines Mannes führten dazu, dass ich mich im Sommer nach einem Job extern umschaute. Denn von BossharTong ist nicht nur der Name eine Verschmelzung von uns beiden, auch inhaltlich arbeiten wir Hand in Hand. Ohne ihn war BossharTong unvollständig, ich alleine konnte gar nicht alles bewältigen. Zudem brauchten wir finanziell eine Absicherung.

Im August fing ich bei FM1Today als Social Media Managerin und Online-Redaktorin an. Am 18. November hatte ich dort bereits meinen letzten Tag. Ich konnte mich zu wenig mit dem Portal identifizieren und auch der eine oder andere Vorfall führten dazu, dass ich mich für eine Kündigung entschied.

Die Verletzlichkeit meiner Familie, von mir selbst und auch unserem aufgebauten Standbein zeigte mir deutlich, wie wichtig es ist, die eigene Zeit sinnvoll einzusetzen. Ich will etwas bewegen und mich für Dinge und Menschen einsetzen, die mir am Herzen liegen.

Unterdessen geht es meinem Mann wieder besser und BossharTong wartete nur darauf, dass wir beide wieder zurückkehren. Meine kurze Zeit bei FM1Today hat mir aber auch gezeigt, wie wichtig mir der Austausch mit anderen ist. Ich schätzte die Teamarbeit mit meinen Redaktionskolleginnen und -kollegen.

Deshalb bin ich überzeugt, dass ich beides brauche: An drei Tagen in der Woche widme ich mich künftig den Projekten und Aufträgen bei BossharTong. An zwei Tagen pro Woche will ich eine externe Anstellung, wo ich in einem grösseren Team arbeite, neue Erfahrungen sammle und meine Fähigkeiten und Erfahrungen zum Tragen bringe. Das Jobangebot ist da – es wartet nur noch auf meine Unterschrift.

Ein intensives Jahr geht zu Ende und ich freue mich auf alles, was kommen mag. Denn ich gehe gestärkt aus diesen Erfahrungen der vergangenen Monate und fühle mich für alles gewappnet.

 

PS: Ich danke meiner Familie, meinen Freunden und Online-Bekanntschaften für alle Gespräche, offenen Ohren, Verständnis, Ratschläge, Aufmunterung und Unterstützung. Kurz: Für die Freundschaft und Liebe. In stürmischen Zeiten zeigt sich, auf wen Verlass ist. Danke.

Der Weg und seine Gefährten Die Liebe und ihr Partner Mehr als ein Job

Ein Jahr Selbstständigkeit – ein Jahr in Freiheit

Seit 13 Monaten bin ich Unternehmerin. Mit allem, was dazu gehört. Was mich anspornt und motiviert, sind die Aufgaben und Projekte, die ich für Kunden und Partner aus- und durchführen darf. Dann gib es auch administrative Aufgaben, wie Buchhaltung und Jahresrechnung, Mehrwertsteuerabrechnung, Steuererklärung. Oder Akquise, Offerten, Nachfassen, Budgetieren.

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass es für die Angestellte in der eigenen Firma nur noch Sonnenschein gibt. So stark die Freude an der Arbeit ist, so sind auch Angst und Nüchternheit ständige Begleiter. Was, wenn die Aufträge ausbleiben? Und wieviel Anlaufzeit ist „normal“?

Das Schwierigste sind die Schwankungen. Es gibt Phasen, in denen sehr viel los ist und ich an Grenzen stosse, alle meine Aufgaben so zu erfüllen, dass sie meinen Ansprüchen genügen. Es gibt aber auch Phasen, in denen ich nicht ausgelastet bin. Wer selbstständig ist, kennt das bestimmt. Im Alltag haben die laufenden Projekte Vorrang – da fehlt die Zeit zu akquirieren oder bei offenen Offerten nachzufassen. In solchen ruhigeren Phasen überwiegen Angst und Sorgen. Mein Ehrgeiz hilft mir aber dabei, dass mich die Angst nicht lähmt, sondern antreibt.

Was mir ebenfalls hilft, ist mein gutes Netzwerk. Menschen, die sofort an mich denken, wenn es um meine Steckenpferde wie Barrierefreiheit und Schreiben geht. Ich bin dankbar für die lieben Vernetzerinnen und Vernetzer um mich herum. Diese helfen mir übrigens auch dabei, im Home Office nicht zu vereinsamen. Ich tausche mich fast täglich mit anderen aus – per Mail, WhatsApp-Nachricht, via Skype, telefonisch oder auch bei einem Mittagessen oder einem Networking-Anlass.

Sorgen und hin und wieder wenig attraktive Aufgaben wie Buchhaltung und Steuererklärungen sind ein geringer Preis, den ich für meine Selbstständigkeit bezahle. Denn diese bedeutet für mich Freiheit, die ich seit über einem Jahr geniesse. Ein aufregendes Jahr mit vielen neuen Erfahrungen. So habe ich in diesen 13 Monaten zum Beispiel Autofahren gelernt, den CAS Medienpädagogik absolviert, bin dem Vorstand der Leaderinnen Ostschweiz beigetreten. Das Jahr besonders bereichert haben aber die Menschen um mich herum. Vielen Dank euch allen. Ich nenne keine Namen – denn wer das liest, wird sich hoffentlich sowieso angesprochen fühlen.

Hürden und deren Überwindung

#BeMyEyes – weshalb sich die App auch für Sehende lohnt

Gestern entdeckte ich via Leidmedien.de eine neue App, die sich „Be My Eyes“ nennt. Die Idee dahinter: Über die App verbinden sich Blinde und Sehende miteinander, so dass der Sehende wortwörtlich die Augen des Blinden sein kann. Weil mich alles interessiert, was irgendwie mit Accessibility und Inklusion zu tun hat, installierte ich sogleich die App auf meinem iPhone, registrierte mich – und war enttäuscht, dass ich nicht gleich mit Fragen überrannt wurde.

Wenn man sich die Zahlen anschaut, wundert die ausbleibende Nachfrage nicht. 4800 Blinde treffen auf 63000 Sehende. Wie viele davon Deutschsprachig sind, ist nicht ersichtlich – es dürften noch relativ wenige sein, die Hilfe von mir und anderen Deutschsprachigen in Anspruch nehmen wollen.

Heute Nachmittag erhielt ich aber eine Push-Benachrichtung, weil ein Benutzer von #BeMyEyes meine Hilfe benötige. Beim Öffnen der App bin ich gleich mit dem Benutzer verbinden. Seine Kamera ist für mich freigegeben, so dass er mir seine Frage stellen und ich sie beantworten kann. Er hat einen ausgedruckten Rücksendeschein der Deutschen Post vor sich und will wissen, wie er diesen Schein nun zuschneiden soll. Er weiss, dass er nicht das ganze A4-Blatt aufkleben kann und vermutet, dass es irgendwo eine Schneidemarkierung hat. Ich sehe diese: Es gibt nämlich nur eine einzige Linie in der Mitte des Blattes. Also erkläre ich meinem Gegenüber, dass er das Blatt Papier am besten in der Mitte falten soll und dass der Falz dann gleich die Schneidelinie markiert. Er fragt mich, wie er das Papier nach dem Schneiden aufkleben soll, damit der Text nicht auf dem Kopf steht. Weil er das Blatt noch nicht zugeschnitten hat und dies erst nach unserem Gespräch tun wird, sage ich ihm, dass die Schnittkante links sein muss, damit die Textrichtung stimmt.

Der Ratsuchende bedankt sich für „die kompetente Hilfe“ und lässt mich mit einem zufriedenen Gefühl zurück. Ich bin zufrieden, weil ich ihm geholfen habe. Vor allem aber bin ich zufrieden, weil ich ihm praxistauglich alles erklärt habe, ohne direkt neben ihm zu sitzen. Und genau darin sehe ich die Chance und Herausforderung für Sehende: Es ist nicht immer einfach, sich unmissverständlich auszudrücken, wenn man es nicht zeigen kann. Ich freue mich auf viele weitere Fragen, die ich via #BeMyEyes beantworten darf, und auf viel Neues, das ich dabei lernen werde.

Hürden und deren Überwindung

Mut

Ich kannte bisher keine Prüfungsangst. Durch eine Prüfung zu fallen, kenne ich nicht. Nun aber rückt die praktische Führerprüfung immer näher – und ich werde mit jedem Tag nervöser.

Ich werde nervöser, nicht weil ich an mir zweifle, sondern weil ich das Gefühl habe, nicht alleine fürs Gelingen verantwortlich zu sein. Was, wenn ich mit dem Experten nicht auskomme? Was, wenn er gezielt nach meinen Schwächen sucht und ich nicht zeigen darf, was ich wirklich drauf habe? Ich weiss nicht, wer während meiner Prüfungszeit ebenfalls unterwegs ist, wer mir ohne Vorzeichen vor’s Auto läuft, wer mir die Sicht wegen zu nahen Auffahrens versperrt. Und mein Horrorszenario, nachdem ich in den letzten fünf Monaten immer bei schönstem Wetter Fahrstunde hatte: Was mache ich bei richtig schlechtem Wetter mit vereisten oder verschneiten Strassen und schlechter Sicht?

Ja, ich kenne meine eigenen Schwächen, die ich bis zur Prüfung und wohl auch nach der Prüfung noch lange nicht einfach ausmerzen kann. Eine grosse Schwachstelle ist mein Alter, meine Lebenserfahrung, meine Lebenshaltung, dass es keine Eile braucht. Ich bin manchmal übervorsichtig oder zu wenig forsch, wenn es um mein Vortrittsrecht geht. Und ich habe eine Aversion gegen kurvenreiche Bergstrassen. Ich habe grossen Respekt, weil sich eine richtige Autofahrt nicht damit vergleichen lässt, was ich bei Gran Turismo, Asphalt 7 oder Need for Speed mache. Bei einem Crash kann ich nicht einfach von vorne beginnen.

Das war auch der Grund, weshalb ich nicht gleich mit 18 Autofahren lernte. Ich hatte Respekt davor, als Neulenkerin mit meiner nur wenige Monate alten Tochter alleine unterwegs zu sein. Denn ich trug nicht nur für mich, sondern auch für sie Verantwortung. In keiner anderen Situation zweifelte ich je daran, dieser Verantwortung gewachsen zu sein. Ganz anders aber im Verkehr. Weil ich es nicht alleine in der Hand hatte, wie sicher es auf der Strasse war.

Der Prüfungstermin rückt näher und ich muss versuchen, die Versagensangst abzuschütteln. Die Möglichkeit, dass ich es nicht beim ersten Versuch schaffe, besteht. Was ich brauche, ist Mut und Gelassenheit. Ja, ich zähle die Tage bis zur möglichen neuen Mobilität. Aber ich darf mich selbst nicht zu sehr unter Druck setzen. Deswegen wähle ich auch den Weg, niemandem ausser meiner Familie den genauen Termin mitzuteilen.

Das Leben und seine Irrtümer

Arbeitsbeschaffung: Billag macht’s vor

Die Billag schreibt mir, ich möge doch bitte das Online-Formular ausfüllen, um anzugeben, ob ich Radio höre oder fernsehe. Der Brief spricht mich gar nicht an, da kann sich der Schreibende noch so eine gekünstelte Einleitung ausdenken:

„Haben Sie auch letzthin aktuelle Verkehrsmeldungen, den neusten Wetterbericht oder spannende News aus Ihrer Region gehört oder gesheen? Oder genau dieses Finalspiel im Fernsehen verfolgt, welches tags darauf überall Thema Nummer 1 war?“

Nichts von allem, aber einfach damit ich es rasch erledigt habe, logge ich mich unter billag.ch/kampagne mit den im Brief enthaltenen Zugangsdaten ein. Das E-Mail-Feld im Formular ist ein Pflichtfeld, das ich aus Prinzip nicht mit meiner richtigen Adresse ausfülle. Auf der nächsten Seite kommt endlich die Frage, auf die ich gewartet habe: Nämlich ob bereits eine andere im gleichen Haushalt lebende Person die Gebühren bezahlt. Ich klicke auf Ja und soll nun die Kundennummer der zahlenden Person eingeben. Diese habe ich natürlich nicht zur Hand.

Ich schliesse das Browserfenster und versuche, das telefonisch zu klären. Nach fünf Minuten Wartezeit reicht es mir aber, weil ich die ganze Sache je eigentlich nur mal schnell erledigen wollte. Unterdessen hat Nando in der E-Rechnung doch noch die Kundennummer ausfindig machen können. Ich versuche mich nochmals einzuloggen – erhalte aber nun eine Fehlermeldung. Erst jetzt weiss ich, was mit der Klammerbemerkung „einmalig“ im Brief gemeint ist.

Also lege ich den Brief nun beiseite und gehe davon aus, dass sich die Billag schon wieder melden wird, wenn sie etwas wissen will. Meine Zeit wende ich nämlich lieber für anderes auf.

 


NACHTRAG

Ein Bekannter, der diesen Beitrag gelesen hat, arbeitet bei der Billag. Was ich nun gelernt habe: Hätte ich meine richtige Mail-Adresse eingetragen, hätte ich das Formular zu einem späteren Zeitpunkt weiter bearbeiten können.

Mehr als ein Job

Von der Angst zu versagen

Ich enttäusche nicht gern – schon gar nicht mich selbst. Deswegen fiel es mir lange schwer, mir selbst einzugestehen, dass ich in meinem Job in der Verwaltung nicht zufrieden war. Schliesslich hatte ich dafür meine Stelle bei „Zugang für alle“ gekündigt. Ich wollte unbedingt, dass es mir am neuen Ort gefällt. Mir einzugestehen, dass ich doch nicht am richtigen Ort war, kam einem persönlichen Versagen gleich. Und ich wollte nicht versagen.

Wann immer mich jemand fragte, wie es mir denn gefalle, antwortete ich mit: „Gefällt mir gut.“ Ich sah die Vorzüge: Sicheres Einkommen, naher Arbeitsweg, gutes Arbeitsklima. Ich blendete aus, was mich störte: Wenig Verantwortung, wenig Eigenständigkeit, enge Führung. Ein Jahr wollte ich mir Zeit lassen, mich an die Situation zu gewöhnen, mich einzuleben.

Zehn Monate nach meinem Start hatte ich ein Standortgespräch. Ich erhielt viel Lob, was mich freute. Zeitgleich realisierte ich aber auch, dass es der falsche Weg ist, sich an eine Situation gewöhnen zu wollen. Die Strukturen konnte ich nicht aufbrechen – und genau so wenig kann ich mich ändern. Den Versuch, es dennoch zu tun, empfinde ich rückblickend als schmerzhaft. Ich litt unter der Situation, unter der ständigen Unterforderung. Ich kam täglich unzufrieden von der Arbeit; oftmals müde, ohne zu wissen, weshalb.

Ich war nicht glücklich. Ich hatte mir alles ganz anders vorgestellt. Ermutigt von Gesprächen mit Freunden und meiner Familie entschied ich mich zu kündigen. Dass ich an dieser Stelle enttäuschte, ist nachvollziehbar. Dass ich Sätze wie „Wir hatten viele qualifizierte Bewerber. Wenn ich das vorher gewusst hätte…“ hören musste, weniger. Ich hatte das Gefühl, versagt und enttäuscht zu haben. Gleichzeitig fühlte ich mich erleichtert, frei und gut – und das ist es wohl, was am Ende zählt. Denn ich bin nur mir und meiner Familie verpflichtet.

Heute weiss ich: Die Angst zu versagen ist unbegründet. Denn es braucht mehr Mut, neue Wege einzuschlagen und sich aus festgefahrenen oder einengenden Situationen zu befreien, als sich mit einem Zustand abzufinden und zu resignieren.

Mehr als ein Job

Die ersten 90 Tage

Über 90 Tage zählte ich vom Zeitpunkt meiner Kündigung bis zu meinem letzten Arbeitstag. Nun ist dieselbe Zeitspanne seit Beginn meiner Selbstständigkeit vergangen. Man staune nicht: Diese letzten 90 Tage vergingen gefühlsmässig wesentlich schneller – ohne dass ich sie zählte.

Vor einiger Zeit hatte ich das Vergnügen, meinen Weg zur Selbstständigkeit im Blog „selbstständig & #workingmom“ zu schildern. Ich habe daraufhin viele Rückmeldungen erhalten. Auch in persönlichen Gesprächen sprach man mich darauf an und freute sich für mich und mit mir, dass ich diesen grossen Schritt nicht bereue. Andere erzählten mir, dass sie sich von meiner Geschichte inspiriert fühlen und selbst etwas Neues anpacken, es vielleicht ebenfalls mit der Selbstständigkeit versuchen wollen.

Es freut mich, dies zu hören. Und dennoch habe ich nicht das Gefühl, etwas Ausserordentliches versucht und geleistet zu haben. Ich hatte das Glück, nicht von Null an starten zu müssen und auf ein gutes Netzwerk zählen zu können. Zudem wäre es gelogen, wenn ich sagte, dass immer nur heiter Sonnenschein herrscht. Gerade zu Beginn plagten mich auch Ängste: Reicht es, mir einen Lohn auszuzahlen? Wie organisiere ich mich, damit ich nicht nur noch in meinem Büro „versauere“? Denn natürlich bringt so ein Home-Office auch Tücken mit sich: Man kommt grundsätzlich wenig unter Leute, sitzt in der Regel im bequemen Home-Dress am Pult und der Gang zur Toilette oder in die Küche ist mit Erinnerungen an den brachliegenden Haushalt verbunden. Die Grenze zwischen Privat und Geschäft ist nicht nur schwammig – sie exisitiert gar nicht.

Die starke Vermischung bringt manchmal Nachteile: Wann ist Feierabend? Um ehrlich zu sein: Nie. Vor dem Zubettgehen und vor dem Aufstehen checke ich meine Mails. Auch in der Freizeit oder in den Ferien behalte ich die Social-Media-Auftritte unserer Kunden im Auge. Für mich überwiegen aber die Vorteile: Ich kann meine Arbeit frei einteilen. Als Nachteule bin ich beispielsweise selten vor neun Uhr morgens ansprechbar, geschweige denn produktiv. Ich kann präsent sein, wenn unsere Tochter aus der Schule kommt, mir von ihrem Tag erzählt oder Fragen hat. Ich habe Möglichkeiten gefunden, Schreibblockaden zu bewältigen und gleichzeitig etwas Sinnvolles zu tun: Rasen und Wäsche danken es mir und ich kann beim Szenenwechsel neue Ideen finden, an Problemlösungen tüfteln oder auch einfach meinen Kopf auslüften.

Würde ich mich jederzeit wieder selbstständig machen? Ja, unbedingt. Ich fühle mich frei und selbstbestimmt, ich mag meine Arbeit und den Kontakt zu Kunden und Partnern, liebe den Austausch mit Nando und bin überzeugt, dass ich es schaffe, Arbeit und Leben so zu verbinden, dass ich die berühmte Work-Life-Balance nicht suchen muss. Ich liebe meine Arbeit, wie ich auch mein Leben liebe.

Der Weg und seine Gefährten

Vom Lohn des Ehrenamts

Es gibt Momente, in denen ich mich frage, weshalb ich den Social Media Snack überhaupt mitorganisiere. Wir investieren unsere Freizeit und verfolgen keine höheren Ziele. Wir tun es aus Spass an der Sache. Mehr gibt’s nicht. Für unsere Arbeit gibt es keine Entschädigung und hinter dem Anlass steht keine grosse Agentur, die die Organisation übernimmt. Unser Social Media Snack lebt und fällt mit dem Einsatz unseres Vorstands.

Warum tue ich das alles, frage ich mich oft kurz vor dem nächsten Snack, wenn mein Gehirn sich ständig Neues ausdenkt, womit es mich beschäftigen könnte.

Und dann treffe ich meine Kolleginnen und Kollegen aus dem Vorstand. Alles Berufstätige, die ebenfalls ihre Freizeit opfern. Nie muss ich als Präsidentin jemanden motivieren, nie ein böses Wort hören, wer mehr oder weniger macht, nie höre ich jemanden jammern. Es ist eine Freude, mit diesen Menschen zu arbeiten.

Und dann treffe ich die Referenten, mit denen ich oft nur online Kontakt hatte. Auch sie schenken uns ihre Freizeit und ihr Wissen, weil sie den Snack eine gute Sache finden und weil sie mit ihren Referaten einen persönlichen Beitrag zum guten Gelingen leisten möchten.

Und dann treffe ich die Gäste, die mit Spannung eintreffen. Für viele ist es ein Wiedersehen, für einige aber ist es eine Premiere. Nur selten erlebe ich an solchen Anlässen ein so dankbares und offenes Publikum wie am Snack.

Jedes Mal, wenn die Gäste Platz nehmen, die Referate beginnen und wenn später beim kulinarischen Snacks alle in Gespräche vertieft sind, bin ich stolz darauf, was wir im Vorstand leisten. Ich blicke in zufriedene Gesichter und spüre die enorme Wertschätzung.

Und dann weiss ich: Es zählt nicht der monetäre Gewinn. Es zählt die pure Freude, an etwas Grossartigem mitgewirkt zu haben.

Lieber Vorstand, liebe Referenten, liebe Gäste: Vielen Dank, dass ihr den Snack mit eurem Beitrag bereichert.

Der Weg und seine Gefährten Die Liebe und ihr Partner Mehr als ein Job

Gemeinsam leben, arbeiten und führen

„Wie kannst du mit deinem Mann arbeiten?“, werde ich immer wieder gefragt. Wie das denn mit der Abgrenzung sei, will man wissen. Ob es nicht auch zu viel des Guten sein könne bei so viel Nähe, erkundigt sich mein Gegenüber.

Ja, zusammen zu leben und zu arbeiten fordert uns heraus. Gemeinsam etwas aufzubauen bereichert aber vor allem, sowohl unser Leben als auch unsere Arbeit. Und neu ist die Situation sowieso nicht.

Wir haben auch in der Vergangenheit schon kleine Unternehmen geführt: Wir führen einen gemeinsamen Haushalt, führen das Unternehmen „Familie“, organisieren Ferien, Vereinsarbeit, Umzug und andere Projekte, bewältigen Krisen. Beide bringen in diesen unterschiedlichen Mikro-Unternehmen das ein, was er oder sie am besten kann. Wir sind uns eine gegenseitige Stütze, wenn es einmal nicht rund läuft oder zu viel läuft. Wir spenden einander Trost, wenn wir frustriert sind, freuen uns doppelt, wenn es etwas zu feiern gibt.

Unsere gemeinsame Arbeit bereichert unsere Beziehung. Wir lernen Seiten aneinander kennen, die Paaren, die nicht zusammenarbeiten, vergönnt sind. Oder welches Paar, das in unterschiedlichen Firmen tätig ist, hat die Möglichkeit, den Partner in Sitzungen, bei Verhandlungen oder Schulungen in Aktion zu erleben? Ich mag es, diese Facetten meines Mannes zu kennen. Ich bewundere ihn für seine Fertigkeiten, auch wenn ich ihm dies nur selten sage und es nur ungern schriftlich festhalte. Denn gleichzeitig ist er mein wichtigster Sparringpartner. Kein anderer Mensch sagt es mir so direkt, wenn ihm etwas nicht gefällt oder ihn etwas nicht überzeugt.

Dass dies auch für Zündstoff sorgt, versteht sich wohl von selbst. Die Basis unserer Beziehung und unserer Zusammenarbeit ist deshalb, dass wir in unseren gemeinsamen 15 Jahren gelernt haben, wie wir miteinander und übereinander sprechen. Wir haben gelernt, dass wir auch noch so harsche Kritik an der Arbeit nicht persönlich nehmen dürfen. Vor allem aber haben wir gelernt, dass wir auch nach 15 Jahren nicht ausgelernt und ausgesorgt haben. Wir entwickeln uns weiter, unser Leben verändert sich. Und unser gemeinsames Schaffen hilft uns, am Ball zu bleiben.